Die Postkutschenzeit

Vor zweihundert Jahren und früher waren vor allem weite Reisen für den Normalbürger sehr beschwerlich; sie waren nur zu Fuß oder, falls vorhanden, zu Pferd möglich. Wer selbst kein Pferd besaß, konnte beim Posthalter ein Pferd mitsamt einem berittenen Begleiter mieten. Nach der »Erfindung« der Postkutsche im 17. Jahrhundert war es auch möglich, dass im Reiten ungeübte Personen über weite Strecken befördert werden konnten; allerdings waren solche Reisen über holprige Straßen auf schlecht 

gefederten Wagen kein reines Vergnügen, zumal auch nicht selten Passagiere und Kutscher von Straßenräubern überfallen wurden. 

Die erste uns bekannte organisierte Beförderungsmöglichkeit für Alsweiler Bürger stellte die im Jahre 1789 ins Leben gerufene Landpostverbindung zwischen St. Wendel und Tholey dar. Sie diente einmal dem Briefverkehr zwischen St. Wendel und den umliegenden Orten sowie dem Anschluss an die Reichspost. Vielfach wurden mit der Personenpost auch Briefe und Pakete befördert. Zuweilen wurde mit dem Postwagen ein größerer Geldbetrag transportiert, der in einem eisernen Kasten unter dem 

Kutschbock verstaut war und zu dem der Postillon keinen Schlüssel besaß, der nur beim jeweiligen Postmeister am Abreise- und Zielort deponiert war. 

Nach Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde im Jahre 1975, hat das Mitglied Moritz Staub (Dewels, FBA 1082-5) als Zeitzeuge über die Situation der Post in Alsweiler während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts u. a. folgende Einzelheiten berichtet: 

„Ein kleiner Postwagen (mit einer Bank für zwei Personen) traf morgens gegen halb zehn Uhr – von St. Wendel kommend – in Alsweiler ein. Der Postillon ließ schon auf der Heide sein Posthorn erschallen, bis er vor der Posthalterei hielt. Dort lieferte er in einem kleinen Beutel die Post ab, auch einige Zeitungen, die ebenfalls vom Posthalter den Abonnenten zugestellt wurden. Am frühen Nachmittag fuhr der gleiche Postwagen wieder von Tholey über Alsweiler nach St. Wendel zurück. Morgens um 6.00 Uhr verkehrte ein großer geschlossener Wagen, der vier Personen mitnehmen konnte, von Alsweiler nach St. Wendel. Eine fünfte Person konnte noch neben dem Kutscher Platz nehmen. Bei Bedarf konnte auch eine offene »Schees« nachfahren. Abends gegen 8.00 Uhr kam dieser Wagen wieder 

von St. Wendel zurück und fuhr weiter bis Tholey, wo Kutscher und Pferde übernachteten. Für die Strecke Alsweiler – St. Wendel musste der Passagier 1,20 Mark zahlen. Lange Zeit hindurch war ein Mann aus Oberthal, der allen unter dem Spitznamen »de Herrgott« bekannt war, Postillon auf dieser Strecke. Er war früher Kutscher des Hotels »Knoll« in St. Wendel und verfügte daher über »einschlägige« Erfahrungen, weshalb er auch als sehr zuverlässig bekannt war. Seiner Zuverlässigkeit tat es auch keinen Abbruch, wenn er morgens um 6.00 Uhr schon vor der Wirtschaft Trapp hielt und durchs Fenster rief: »Fräulein Trapp, einen Schnaps«, den er schnell hinunterspülte und weiter fuhr. Eine Promille-Begrenzung für Fahrer gab es damals noch nicht. Als sich die Posthilfsstelle (mit Wilhelm Weber) im Haus Nr. 134a  (heute Richtstraße 6) befand, musste die Postkutsche in der 

Hauptstraße halten, weil diese Nebenstraße nicht ausgebaut war, und der Postillon brachte die Post zu Fuß in die Poststelle. 

Nach dem ersten Weltkrieg (so um 1922) fuhr Nôurersch Michel auf dem Reitersberg (Michel Hoffmann, FBA 463, 1870-1923), den Postwagen mit der Brief- und Paketpost von St. Wendel nach Tholey. Mit dieser Postkutsche konnten bis zu zwei Personen mitfahren. Hoffmann fuhr gegen 10.30 Uhr, von St. Wendel kommend durch Alsweiler bis Marpingen, dann zurück über Alsweiler nach Tholey, und von dort mit dem posteigenen Wagen  nach Hause, wo die zwei Pferde, die ihm gehörten, und die leichte Chaise bis zum nächsten Morgen standen. Dann fuhr er wieder nach St. Wendel die Post holen, die er in einem kleinen Beutel mitbrachte. Auch einige Zeitungen waren dabei, die ebenfalls vom Alsweiler Posthalter zugestellt wurden.«

Nachdem im Jahre 1915 die Bahnstrecke Tholey – St. Wendel in Betrieb war, benutzten die Alsweiler Bürger zur Fahrt nach St. Wendel in zunehmendem Maße die bequemere Eisenbahn, zumal der Tholeyer Bahnhof nur etwa 2,5 km von Alsweiler entfernt gewesen ist.

Geschichtsforum Alsweiler e.V.

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